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Was ist sexueller Missbrauch?

Kinder lernen im Lauf ihrer Entwicklung ihre Umwelt kennen. Sie sind neugierig, beobachten, fragen, probieren und „begreifen“. Sie entwickeln eine unerschöpfliche Energie und Phantasie.
Um sich entwickeln zu können, brauchen sie die Unterstützung der Erwachsenen. Sie sind angewiesen auf Liebe und Geborgenheit, Zärtlichkeiten, Hilfe, Schutz und Sicherheit. Kinder vertrauen darauf, diesen Schutz durch Erwachsene zu bekommen.
Missbraucht ein Erwachsener ein Kind sexuell, so benutzt er die Liebe, die Abhängigkeit oder das Vertrauen für seine sexuellen Bedürfnisse – und setzt sein eigenes Bedürfnis nach Unterwerfung, Macht oder Nähe mit Gewalt durch. Er gefährdet so die Entwicklungs- u. Lebensgrundlage des Kindes und schädigt seine Seele.
Leider gehört für viele Kinder – Mädchen aber auch Jungen – der sexuelle Missbrauch zum Alltag.
Untersuchungen haben ergeben, dass sexueller Missbrauch so häufig vorkommt, dass man davon ausgehen kann, in jeder Kindergartengruppe, in jeder Schulklasse, in jeder Nachbarschaft oder Verwandtschaft Kinder zu finden die sexuell missbraucht werden.
Opfer sexueller Gewalt sind meistens Mädchen, immer häufiger werden aber auch Jungen Opfer. Nicht selten sind schon sehr kleine Mädchen und Jungen betroffen, denn auch Säuglinge und Kleinkinder werden sexuell ausgebeutet.
Das mag Ihnen etwas übertrieben erscheinen, die Realität spricht aber leider eine eindeutige Sprache.

Kinder werden gezwungen Zungenküsse zu geben, sich nackt zu zeigen, sich berühren zu lassen, den Missbraucher nackt zu sehen und ihn anzufassen, Pornographie anzuschauen, bei Pornoauf-nahmen mitzumachen. Sie müssen den Erwachsenen mit der Hand oder dem Mund befriedigen, sie werden vergewaltigt, anal, oral oder vaginal, mit Fingern, Gegenständen oder dem Penis. Dies sind nur einige Beispiele von vielen Praktiken, wir möchten Sie nicht unnötig mit Perversitäten belasten.
Der überwiegende Teil der Missbraucher sind Männer, selten wird der Missbrauch durch Frauen begangen.

Die Täter sind meistens Personen die das Kind kennt, denen es vertraut. Das kann ein Freund der Familie sein, ein Kollege des Vaters oder der Mutter, ein Nachbar, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Jugendgruppenleiter, Babysitter usw.
Nicht selten kommt der Täter aus dem Kreis der Familie: Vater, Stiefvater, Lebensgefährte, Opa, Onkel oder ältere Brüder.

Der Missbrauch durch den eigenen Vater, Stiefvater und im Einzelfall auch der Mutter, stellt ein schier unlösbares Problem dar.

Einmal das missbrauchte Kind, das Vater/Mutter liebt, trotz allem, was ihm angetan wird und die es nicht verlieren möchte. Lieber erträgt es jahrelangen Missbrauch mit all seinen verheerenden Folgen. Bezeichnend, dass der Missbrauch manchmal erst angezeigt wird, wenn das missbrauchte Kind selbst erwachsen ist und die Bindung zum betreffenden Elternteil nachgelassen hat. Die wirtschaftlichen Folgen für die betroffene Familie sind dann auch nicht mehr so problematisch.

Damit sind wir bei dem Elternteil (meistens die Mutter), welches vom Missbrauch des Partners erfährt.
Häufig fragen wir uns entsetzt warum die Mutter geschwiegen hat.
Selbst wenn es dafür letzten Endes keine Rechtfertigung gibt, die Gründe für das Schweigen dürfen nicht übersehen werden.
Da wären z.B. die mögliche Zerstörung der Familie, mit allen Folgen für die anderen, evtl. kleineren Kinder. Das Gerede der Nachbarn, die, ohne genaues zu wissen oftmals Partei ergreifen, verurteilen und den Rest der Familie ignorieren oder mit Verachtung strafen. Die wirtschaftlichen Probleme, wenn der Vater ins Gefängnis muss oder gekündigt und arbeitslos wird.

Der einzige Rat den wir hier geben können ist der, dass das Wohl des missbrauchten Kindes in jedem Fall im Vordergrund stehen muss!
Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, sollte die Mutter unbedingt emotionsfreie, qualifizierte Hilfe in Anspruch nehmen!

Sexueller Missbrauch durch Fremde ist im Verhältnis eher selten.

Es wird uns eigentlich oft der Eindruck vermittelt, dass die meisten Fälle von sexueller Gewalt solche von Fremden sind, weil darüber in aller Ausführlichkeit in den Medien berichtet wird.

In der Realität ist aber das Risiko höher, dass Kinder im Verwand-ten- u. Freundeskreis sexuell ausgebeutet werden.
Leider steht es keinem auf der Stirn geschrieben ob er Kinder missbraucht.
Täter sind oft Männer mit tadellosem Ruf, gelten als brave Väter und Ehemänner. Täter kommen aus allen sozialen Gesellschaftsschich-ten, können in der Regel sehr gut mit Kindern umgehen, so dass niemand ihnen einen Übergriff auf Kinder zutrauen würde.

Es wird oft vermutet, dass der sexuelle Missbrauch bei vielen „nur ein einmaliger Ausrutscher“ ist. Tatsache ist aber, dass Täter in den seltensten Fällen spontan handeln. Vielmehr sind solche Übergriffe geplant und gut organisiert und ganz bewusst herbeigeführt.
Im Täterkreis befinden sich nicht selten Erzieher oder Trainer, die dann meist nicht nur ein Kind, sondern mehrere, oft über eine lange Zeit, missbrauchen.

Sexueller Missbrauch in der Familie kann oft über eine sehr lange Zeit, oft mehrere Jahre, andauern. Dabei wird oft der Grad der Gewalttätigkeit und auch der Intensität gesteigert.
Fast alle Täter missbrauchen immer wieder Kinder, so als wären sie süchtig danach.

Täter finden immer wieder Ausreden für ihr Tun, gleichwohl sind sie voll verantwortlich für ihr Tun.
Kinder tragen niemals die Verantwortung für einen sexuellen Über-, griff. Auch dann nicht, wenn vom Täter behauptet wird, verführt oder provoziert worden zu sein. Ein Kind kann niemals zur Sexual-ität auffordern.

Ganz wichtig ist, dass Kinder niemals sexuelle Übergriffe erfinden.
Wenn ein Kind erzählt es sei missbraucht worden, dann ist es ernst zu nehmen, dann hat es den Missbrauch auch wirklich erlebt. Kinder leugnen eher einen Missbrauch um eine geliebte Person zu schützen als dass sie ihn erfinden.

Dabei sage ich ausdrücklich Kinder! Jugendliche oder heranwachsende Mädchen, die z.B. den Lehrer, Meister, etc. beschuldigen, sind ein anderes Thema und sehr sensibel zu behandeln.

Ja liebe Eltern, vielleicht sind Sie jetzt betroffen, wütend, ängstlich oder verunsichert.

Manche Väter werden sich fragen, darf ich jetzt überhaupt noch mit meiner Tochter oder meinem Sohn kuscheln, baden, zusammen im Bett knuddeln?
Die Antwort ist ganz klar: Ja, Sie dürfen. Zärtlichkeiten sind lebens-notwendig für Kinder. Aber achten Sie bitte ganz genau auf die Reaktion Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes.
Wendet sich ein Kind ab oder macht ein abweisendes Gesicht dann heißt das Stopp, es möchte diese Zärtlichkeiten nicht (oder nicht mehr z.B. in der Pubertät.)

Niemand kann ein Kind aus Versehen missbrauchen

Kinder spüren den Unterschied zwischen Zärtlichkeit und sexuellem Missbrauch sehr wohl, genauso wie ein Erwachsener.

Sexueller Missbrauch beginnt dort, wo ein Erwachsener Zärtlichkeiten benutzt zur Anregung oder Befriedigung seiner eigenen Sexualität, wo versucht wird, ein Kind zu Zärtlichkeiten zu über-reden oder zu nötigen, wo Geheimhaltung eingefordert wird, wo das Kind sich nicht mehr wohl oder geborgen, sondern bedrängt und benutzt fühlt.

Doktorspiele zwischen gleichaltrigen Kindern sind normal und dienen der Erforschung des eigenen Körpers. Sie sind nicht zu beanstanden.

Die Opfer – Mädchen und Jungen

Der Übergang von Zärtlichkeiten die das Kind mag zum Missbrauch ist oft fließend.

Die Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt, sind verwirrt und bestürzt, glauben aber, sich geirrt zu haben und hoffen, dieses seltsame Verhalten des Erwachsenen hört bald wieder auf.

Meist wagen sie nicht sich zu wehren weil sie vielleicht den Täter lieben, weil sie ihm vertrauen, weil sie gelernt haben zu gehorchen. Aber jedes Kind sendet in dieser Situation Signale des Unwillens und der Abwehr aus. Geht der sexuelle Missbrauch weiter, nehmen Angst und Widerwillen zu. Oft werden dem Kind vom Täter Schuld-gefühle eingeredet. Es heißt dann z.B.

„Du willst das doch auch!“
„Du hast Dich doch nicht gewehrt!“

Leider wird vielen Kindern immer suggeriert, dass Erwachsene immer recht haben und so suchen sie die Schuld für den Missbrauch bei sich.

„Was habe ich falsch gemacht, dass er so etwas mit mir macht“

Die Kinder schämen sich, weil sie glauben, schmutzig zu sein. Auch diese Gefühle werden vom Täter erzeugt.
Mit der Zeit verlieren die Kinder das Vertrauen in andere Menschen, sie sind immer auf der Hut, immer misstrauisch.
Aber sie verlieren auch das Vertrauen in sich selbst, denn sie zweifeln oft an ihrer eigenen Wahrnehmung.

Der Täter sagt:
„das ist schön was wir da machen“

Das Kind fühlt:
„Es ist eklig und tut weh“

Da das Kind vom Erwachsenen abhängig ist, ist es auch gezwungen ihm zu glauben und denkt:
„Er hat recht und ich spinne“

Kinder sind dann oft hin- und hergerissen in ihren Gefühlen.

Vom Täter bekommen sie auch Aufmerksamkeit, er unternimmt vielleicht viel mit ihnen, macht ihnen Geschenke und widmet ihnen Zeit.

Sie mögen es verwöhnt zu werden, verabscheuen aber gleichzeitig die sexuellen Übergriffe. Sie glauben für die Zuwendung „bezahlen“ zu müssen.
Opferkinder leben in ständiger Angst und Unsicherheit, fühlen sich hilflos und ohnmächtig den entsetzlichen Übergriffen ausgeliefert und glauben noch, selbst dran schuld zu sein.

In dieser Situation versucht der Täter, das Kind mit allen Mittel da-ran zu hindern, sich jemandem anzuvertrauen. Er erpresst mit Liebe und Zuneigung

„Du hast mich doch lieb, wenn Du was sagst,
komme ich ins Gefängnis. Oder
„wenn Du was sagst werde ich ganz traurig und krank“
Damit entfremdet er das Opfer von seiner engsten Vertrauensperson

„Wenn Du was sagst, hat der Papa dich nicht mehr lieb,
dann kommst Du in ein Heim,
die Mama stirbt vor Kummer.

Und erzeugt noch mehr Schuldgefühle:

„Alle denken dann schlecht von Dir
niemand will etwas mit Dir zu tun haben
Alle werden denken dass Du lügst“

Zum Erzeugen von Schuldgefühlen wird dann noch gedroht:

„Wenn Du was sagst, mach ich Dich tot“
Wenn Du was sagt, bringe ich Deine Katze um“


Der Zwang, das schreckliche Geheimnis zu wahren, belastet betroffene Kinder in höchstem Maße.

Wurde mit dem Kind nicht angemessen aufklärend über Sexualität, Gewalt und sexuelle Gewalt gesprochen, glauben viele Opfer, sie seien die einzigen, denen sexuelle Gewalt widerfährt. Sie fühlen sich einsam und allein, von aller Welt im Stich gelassen. Wenn sie trotz aller Angst und Verzweiflung den Mut aufbringen etwas zu sagen oder anzudeuten, wird ihnen oft nicht geglaubt.

Die Tatsache, dass auch Jungen Opfer sexuellen Missbrauchs werden, ist mittlerweile zwar bekannt, aber noch längst nicht immer anerkannt.

Internationale und deutsche Untersuchen gehen davon aus, dass 8 – 10 % der befragten Männer sexualisierte Gewalt erfahren mus-sten. Dunkelfeldschätzungen ergaben, dass jeder fünfte bis achte Junge sexualisierte Gewalt erlebt.

Das Durchschnittsalter von missbrauchten Jungen liegt zwischen 10 und 12 Jahren.

Nur etwa 15% der befragten Männer erlitten den Missbrauch durch Fremde, etwa 20% wurden von Familienmitgliedern missbraucht. Die Haupttätergruppe liegt aber im außerfamiliären Nahraum.

Der Anteil von Frauen an der gesamten Täterschaft ( also Jungen und Mädchen) liegt bei etwa 10 %, d.h. 90% sind männliche Täter.

Hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs an Jungen gibt es leider immer noch eine Reihe von Vorurteilen, Abwehrhaltungen und falschen Bildern. Viele Menschen wissen heute zwar, dass auch Jungen sexuell missbraucht werden, dieses Wissen ist aber noch nicht mit einem tatsächlichen Bewusstsein dafür verknüpft.
Leider gibt es immer noch Klischees, Erwartungen und Bilder von der herkömmlichen Männlichkeit, die einer Bewusstseinsbildung für die Betroffenheit sexuell missbrauchter Jungen entgegenstehen.

Die Klischees lauten z.B.

Jungen sind keine Opfer
Sind sie zu Opfern geworden, haben sie selber schuld, weil sie
sich nicht richtig gewehrt haben
Jungen verarbeiten sexuellen Missbrauch leichter als Mädchen
Männliche Täter, die Jungen missbrauchen sind schwul

Leidtragende sind die betroffenen Jungen, die in doppelter Hinsicht um eine Anerkennung als Opfer von sexuellem Missbrauch kämpfen müssen. Einmal in Bezug auf die Tatsache dass sie missbraucht werden und zum anderen dass sie als Jungen betroffen sind.

Viele Jungen haben nach einem sexuellen Missbrauch durch einen Mann Angst davor schwul zu sein.
Sexuell missbrauchte Jungen fühlen sich hilflos und ohnmächtig. Der Missbrauch stellt eine traumatische Erfahrung dar,, er passt nicht zum herkömmlichen Bild von Männlichkeit, er verunsichert und löst erhebliche Selbstzweifel aus. Viele Jungen trauen sich deshalb nicht, über das Erlebte zu sprechen.

Deshalb brauchen gerade auch sexuell missbrauchte Jungen Hilfe und Unterstützung. Sie benötigen Menschen die ihnen zuhören, sich ihrer annehmen, denen sie vertrauen können und die ihnen vor allen Dingen glauben.

Tatorte

In Gesprächen über Missbrauch hören wir immer wieder:

Bei uns passiert doch so was nicht
Ich kenne niemanden der so was tut

Oder aber auch:

Man kann sein Kind ja nicht mal mehr auf die Straße lassen

Beide Einstellungen sind falsch!

Obwohl auch heute noch Kinder vor allem davor gewarnt werden

Nicht mit Fremden mitzugehen
Von keinem Fremden etwas anzunehmen
Sich von fremden Autos fernzuhalten

weiß man aber auch, dass 96% aller Opfer von Menschen sexuell missbraucht werden die ihnen bekannt sind.
Deshalb sind sie weniger durch „Unbekannte“ und an fremden Orten gefährdet, sonder vielmehr

In der Familie, der Nachbarschaft
In Schule, Sportverein
In therapeutischen- und Wohneinrichtungen
Viele Täter bauen systematisch eine Beziehung zu dem Kind auf das sie missbrauchen wollen.
Sie bieten sich als Kumpels an zum Eisessen, Fußballspielen, Kinogehen, Rummel etc.

Sprechen sie also mit ihrem Kind darüber wo es sich aufhält, mit wem es seine Freizeit verbringt. Warnen sie nicht n ur vor Fremden, denn der Täter ist dem Kind häufig nicht fremd.

Seien sie aufmerksam, wenn ein Erwachsener mit ihrem Kind immer wieder Freizeit verbringen will und fragen sie ihn und ihr Kind danach.

Achten sie auf Geschenke, deren Herkunft sie nicht kennen (Mar-kenkleidung. CD`s, PC-Spiele, Geld usw.)

Spricht ihr Kind von einem „älteren Kumpel“ den es immer wieder trifft, sollten sie diesen Menschen kennenlernen, ihn nach seinen Motiven fragen und gleichzeitig ihr Kind auf mögliche sexuelle Übergriffe ansprechen bzw. vorbereiten.
Wenn sie ihrem Kind den Kontakt verbieten, wird es u.U. heimlich zu einem Treffen gehen. Es wird nicht verstehen, worüber sie sich sorgen.

Sprechen sie mit ihrem Kind angemessen über sexuellen Missbrauch und wie man sich verhalten kann.

Wie merke ich wenn mein Kind missbraucht wurde?

Auch wenn die meisten Kinder es nicht wagen, offen über den sexuellen Missbrauch zu sprechen, so teilen sie sich dennoch mit, um diese unerträgliche Situation zu beenden.
Ihre verdeckten Hinweise sind aber für dritte oft schwer verständlich.
Ein Anzeichen dafür kann z.B. sein, dass sich das Verhalten ihres Kinder verändert ohne dass ein Grund ersichtlich ist. Vielleicht ist das Kind plötzlich verschlossen und wirkt bedrückt, es zieht sich zurück, erzählt nicht mehr unbefangen von alltäglichen Erlebnissen. Oder aber es ist plötzlich übernervös und unruhig, zeigt vielleicht ein für das Kind unübliches, aggressives Verhalten. Manche Kinder spielen nach, worüber sie nicht reden dürfen oder benutzen eine auffällige, sexualisierte Sprache. Wenn ihr Kind anscheinend ohne Grund bestimmte Orte, Situati-onen oder Personen meidet, ist erhöhte Aufmerksamkeit angesagt. Man hat manchmal das Gefühl: Was ist bloß los mit meinem Kind, es war doch sonst nicht so. Irgendwas stimmt nicht, so kenne ich mein Kind ja gar nicht.

Solche Verhaltensänderungen können natürlich immer auch ver-schiedene andere Gründe haben, die ernst zu nehmen und wichtig sind. Die Ursache muss nicht aber kann auch ein sexueller Miss-brauch sein.
Manche Kinder versuchen sich langsam und vorsichtig an ein Gespräch heranzutasten. Sie machen Andeutungen die wir auf Anhieb nicht verstehen und sagen vielleicht:

„Der Herr Soundso ist blöd“
„Ich will nicht mehr mit dem Opa spielen“
Ich geh` nicht mehr zur Nachhilfe zum .......“

Bei solchen Äußerungen sollten wir hellhörig werden und unter keinen Umständen z.B. sagen: Wird` nicht frech, der Herr Soundso ist doch sehr nett“ oder“ Mach dem Opa doch die Freude, er hat dich doch so gerne“ oder: „du willst doch gute Noten haben und dafür ist Nachhilfe notwendig“. Nach solchen Antworten wird das Kind in der Regel nicht mehr weitererzählen. Es glaubt jetzt sogar vielleicht, die Eltern seien mit den schlimmen Dingen die Herr Soundso, der Opa oder der Nachhilfelehrer machen, einverstanden.
Man sollte interessiert nachfragen z.,B. was spielst du denn mit dem Opa oder was macht ihr denn im Nachhilfeunterricht, warum ist der Herr Soundso blöd? Damit geben wir dem Kind eine Chance, das Geheimnis preiszugeben. Jedes Kind versucht, den sexuellen Missbrauch zu verhindern.

Es ist vielleicht besonders artig, geht dem Täter aus dem Weg, nimmt den Hund oder die Katze mit ins Bett, bemüht sich, nicht aufzufallen. Es versucht, sich durch dicke und weite Kleidung zu schützen, verbarrikadiert die Zimmertüre mit Spielzeug, schläft bei Geschwistern im Bett usw.

Alle Kinder wehren sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Missbrauch.

Wenn der Täter sich nicht abschrecken lässt, bleibt nur die Hoffnung, dass einem Erwachsenen in der Umgebung dieses Verhalten auffällt und den stummen Botschaften des Kindes nachgeht.

Nehmen sie sich also Zeit mit ihrem Kind über alle Erlebnisse zu reden. Seien sie offen und interessiert und hören sie genau hin. Sprechen sie an wenn ihnen etwas auffällt, aber bitte ohne Vorwürfe.
Ganz wichtig ist auch, dem Kind nicht ihre eigene Meinung aufzudrängen, sondern es seine eigenen Eindrücke und Einschätzungen äußern lassen. Vertrauen sie ihrem Gefühl, wenn sie meinen, mit ihrem Kind stimmt etwas nicht.

An den Folgen eines Missbrauchs tragen Kinder die zu Erwachsenen werden, ein Leben lang.
Vielfältige Persönlichkeitsstörungen können die Folge sein.

z.B. erhöhte Erregbarkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche, Konzentrationsmängel, Schreckhaftigkeit und die Abstumpfung gegenüber alltäglichen Ereignissen.

Leider bleibt der sexuelle Missbrauch oder die sexuelle Ausbeutung oft ungeahndet.

+ Das liegt zum einen daran, dass der Missbrauch oft schon im Säuglingsalter beginnt, das Kind ist nicht in der Lage, den Missbrauch zu benennen.

+ Kinder werden autoritätsgläubig erzogen und das bedeutet: Meine Eltern haben immer recht auch wenn sie etwas tun was ich nicht will

+ oft wird dem Kind unterstellt, dass es sich die „Sache“ nur ausgedacht hat. Ihm wird nicht geglaubt, es wird als Lügner hingestellt

+ das Kind wird nicht oder selten ärztlich untersucht, Verdachtsmomente sollen dadurch verheimlicht werden

+ Erwachsene fühlen sich oft hilflos und wissen nicht wie sie mit einem Verdacht umgehen sollen.

+ die traumatischen Folgen für das Opfer werden verharmlost, die „scheinbare“ Gewaltlosigkeit der Handlungen machen eine Anzeige überflüssig

+ dem Opfer werden Verführungsabsichten unterstellt, der Täter entschuldigt sich damit, dass er den sexuellen Verführungskün-sten des Mädchens erlegen sei.

+ bei einem Missbrauch in der Familie soll die Intimsphäre der-selben um jeden Preis gewahrt bleiben.

+ das Opfer hat in vielen Fällen Angst vor dem Täter wenn es das „Schweigegebot“ bricht

+ in vielen Fällen schämen sich die Opfer und fühlen sich schuldig, sie sagen deshalb lieber nichts.

Sollten Sie also Verhaltensstörungen bei ihrem Kind feststellen die vorher nicht da waren, können das Signale für einen Missbrauch sein.

Schlafstörungen, Bettnässen, Bauchschmerzen, Sprachstörungen, Rückfall in Kleinkindverhalten, gestörtes Essverhalten, auffallende Angstzustände, Schulschwierigkeiten, Festklammern, erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, Rückzug in Phantasiewelten bis hin zum Lügen, Kontaktlosigkeit, keine Freundschaften, Angst vor Erwachsenen. Bei älteren Kindern kann es auch zum Alkohol- und Drogenmissbrauch und zu wiederholten Straftaten kommen, insbesondere zu Diebstählen.

Relativ sichere physische Anzeichen für einen sexuellen Missbrauch sind auch Unterleibsverletzungen, Blutergüsse und Bisswunden im Genitalbereich sowie Geschlechtskrankheiten.

In diesen Fällen ist sofort ein Arzt aufzusuchen und die Polizei einzuschalten.

Ein missbrauchtes Kind leidet ein Leben lang und die Lang-zeitschäden sind vielfältig. Wir wissen von einem Mitglied, die als 4 jährige missbraucht und zusätzlich schwerst misshandelt wurde. Diese Frau ist mittlerweile fast 50 Jahre alt, hat schwerste körper-liche Schäden, von Wirbelsäulenerkrankungen über fehlendes Sehvermögen, Magenproblemen u.u.u.

Von den Jugendämtern oder anderen Hilfsorganisationen wird oft von einer Anzeige abgeraten mit der Begründung, dass eine Befragung bzw. Zeugenvernehmung durch die Polizei oder vor Gericht weitere Belastungen für das betroffene Kind bringen oder auch das soziale Gefüge der Familie zerstört wird.

In jahrelangen Erfahrungen wurde festgestellt, dass Kinder das Geschehene leichter verarbeiten, wenn ihnen durch eine Anzeige bei der Polizei und die strafrechtliche Verfolgung des Täters signalisiert wird, dass sie nicht verantwortlich sind für die Tat, dass es Unrecht war was ihnen widerfahren ist und dass der „Böse“ (Onkel, Opa, Nachbar etc.) dafür bestraft wird.

Vernehmungen von Kindern finden in kindgerechten Räumen von feinfühligen Kriminalbeamten statt, bei den Gerichten sind Video-vernehmungen möglich um dem Opfer eine Konfrontation mit dem Täter und dem angsteinflössenden Gerichtssaal zu ersparen.

Bei Bedarf werden die Kinder durch geschultes Personal auf eine Verhandlung vorbereitet, es macht einen Besuch beim vorsitzenden Richter, kann sich den Gerichtssaal anschauen und erfährt im Vorfeld was bei einer Gerichtsverhandlung passiert.

Es gibt spezialisierte Opferanwälte, die sich ganz besonders in die Materie des sexuellen Missbrauchs eingearbeitet haben.

Außerdem gibt es vielfältige Hilfsangebote für Opfer. Es gibt die Möglichkeit einer Opferrente nach dem Opferentschädigungsge-setz, spezielle Therapien für Kinder, die Möglichkeit einer Unterbringung in einer Spezialklinik (hier ist interessant die Klinik in Wangen) in der die Kinder über einen längeren Zeitraum bleiben, von ausgebildeten Therapeuten betreut werden und auch zur Schule gehen.

Werden Mitarbeiter von unserem Verein mit einem Fall betreut bieten wir folgendes an:

Wir begleiten zur Polizei, zu Ärzten (evtl. Krankenhaus) zum Anwalt und zum Prozess.

Wir vermitteln auf Wunsch Opferanwälte, sind behilflich bei der Auswahl eines Therapeuten oder Therapieplatzes

Gerne helfen wir bei der Erstellung eines Antrages auf Opferentschädigung und bei den Verhandlungen mit den Versorgungsämtern.
Wir unterstützen und sind behilflich bei sämtlichen Behörden-gängen und den damit verbundenen Anträgen und Schreibarbeiten.

Es gäbe noch so viele Themen über sexuellen Missbrauch, so ist z.B. auch Kinderpornographie sexuelle Ausbeutung. Sextourismus – verabscheuungswürdig und eigentlich viel härter zu bestrafen. Es würde den heutigen Rahmen sprengen wenn wir über das komplette Thema „Sexueller Missbrauch“ referieren und diskutieren würden.

Lassen Sie uns bitte zum Abschluss noch ein paar Worte zu körperlichen Misshandlungen und Vernachlässigung sagen.

Bekanntlich wechseln prügelnde Eltern ständig den Kinderarzt oder das Krankenhaus. Es ist deshalb für den behandelnden Arzt sehr schwer, Altschäden wie z.B. Knochenbrüche oder alte Narben einer Misshandlung zuzuordnen.
Eines unserer Ziele für die nächste Zeit ist es deshalb, in Zusammenarbeit mit Ärzten eine Verdachtsdatei zu fordern, in der zwingend unklare Verletzungen bei Kindern gespeichert werden. Mit Hilfe einer Chipkarte ( diese soll zukünftig die bisher üblichen Patienten-Versicherungskarten ersetzen) sollen Kinderarztbesuche gespeichert und vom jeweiligen behandelnden Arzt abgerufen werden können.
Fälle wie z.B. der Tod der misshandelten Karolina könnten vielleicht damit schon im Vorfeld verhindert werden.

Kinder sind unsere Zukunft, unser höchstes Hab und Gut. Sie sind uns Erwachsenen hilflos ausgeliefert.

Bitten helfen Sie mit, Missbrauch, Misshandlungen und Vernachlässigung zu verhindern.